Sivananda Yoga
Sivananda Yoga von Swami Sivananda (1887-1963) wurde verbreitet von dessen Schüler Swami Vishnudevananda, der auf der ganzen Welt die sogenannten Sivananda Yoga Vedanta Zentren gründete. Wie kaum eine andere Yogarichtung legt Sivananda Yoga Wert auf die spirituelle Ausrichtung und die Integration von Yoga ins Leben. Die diesem Ansatz zugrunde liegende Vedanta-Philosophie wurde deshalb in den Namen der Zentren mit aufgenommen.
Swami Vishnudevananda, der Verbreiter des Sivananda Yoga, lehrte Yoga in 5 Punkten:
- Richtige Körperübungen – Asanas
- Richtige Atmung – Pranayama
- Richtige Entspannung – Shavasana
- Richtige Ernährung – Vegetarisch
- Positives Denken und Meditation – Vedanta und Dhyana
Die Sivananda Yoga Vedanta Zentren sind gemeinnützige Organisationen, in der Swamis zusammen leben und praktizieren. In diesen Zentren (oder Ashrams, wie sie in Indien genannt werden) regelt ein fester Tagesablauf (Meditation, Gesang, Studium von Yogatexten, Yogaübungen, Atmung und Entspannung) das Leben. Der Fokus liegt dabei klar auf der gelebten Spiritualität – Asanas und Pranayama werden zwar geübt – doch wichtiger ist das Singen von Mantren, die heiligen Zeremonien “Pujas”, die Meditation und die Lektüre von alten Texten.
Wer zum ersten Mal Kontakt mit Yoga hat, wird sich vielleicht durch diese gelebte Spiritualität überfordert oder eingeschüchtert fühlen. Die Lehrer (Swamis) zeigen ihre spirituelle Ausrichtung durch die meist gelb oder orange gehaltene Kleidung und der Begrüßung jedes Besuchers mit einem freundlichen “Om”.
Der meditative Yogaunterricht besteht in einer von Sivananda systematisch fest angelegten Reihe von Yogahaltungen, der sogenannten Rishikesh Reihe, die ähnlich einer Massage bzw. Akkupressur wirken soll. Pro Yogastunden können während des meist gleich ablaufenden Unterrichtes so mehr als 500 Akkupunktur Punkte stimuliert werden.
Anfänger sind ebenso willkommen wie geübte Schüler in den wöchentlich stattfindenden geschlossenen Kursen, in denen der Kopfstand bereits in den ersten Stunden ebenso Bestandteil ist, wie das Singen von Mantren. Die Anatomie des Körpers oder die persönlichen körperlichen oder mentalen Voraussetzungen des Schülers spielen keine Rolle – jeder wird gleichermaßen in den Unterricht integriert. Die Praxis des Kopfstandes wird auch Anfängern ohne Hilfsmittel, ohne Vorbereitung des Körpers und ohne stützende Wand so lange zu üben empfohlen, bis er beherrscht wird – eine Praxis, die eine (gerade bei Anfängern) relativ große Verletzungsgefahr birgt. Neue Schüler werden in bestehende Gruppen integriert, ohne sie gemäß Krishnamarcharya (Vini Yoga) zufolge dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Dafür bieten Sivananda Zentren jedoch ein spirituelles Aufgehobensein, das andere Yogastile kaum aufbringen können.