Bikram Yoga

Wer Yoga bei angenehmen 38-60 Grad Raumtemperatur erfährt, der ist in einer Unterrichtsstunde des Yogastils Bikram Yoga gelandet. Benannt nach dem 1946 in Kalkutter geborenen und in den USA lebenden Begründer Bikram Choudhury, der mit der Vermarktung seines Yogastils inzwischen längst zum Multimillionär in den USA geworden ist, lässt Bikram Yoga seine “Jünger” bei entsprechender Raumtemperatur (38 Grad ist die “leichte” Sommervariante, 60 Grad brauchen angeblich die anspruchsvollen Schüler in Tokio) die 26 Posen des Bikram Yoga durchlaufen, die Körper und Blut mit frischen Sauerstoff versorgen, den Stoffwechsel ankurbeln und die Zellen durch den Verlust von Schlacken vitalisieren sollen. Die hohe Raumtemperatur sorgt für flexible und weiche Muskeln und Sehnen, denen während des Unterrichts dann auch entsprechende oder noch höhere Leistungen in Kraft und vor allem Dehnfähigkeit abverlangt werden. Als Pionier des “kommerziellen Yogas” ist Yogabranchen-Bestverdiener Bikram, dessen Vermögen auf mindestens Sieben Millionen Dollar geschätzt wird, und der sich eifrig bemüht, sämtliche “Nachahmer” und den Unterricht von Yogaposen in der von ihm für sein Bikram Yoga festgelegten Reihenfolge stehenden Fußes zu verklagen, heute besser im Geschäft denn je.

Für jeden, auch für Anfänger geeignet, unterrichtet der Meister Bikram Yoga jedoch nur noch an wahre Fortgeschrittene – und selbst hier zieht er schnell Bilanz. Die Europäer sind zwar meistens willens, jedoch oft weder fähig, noch in der Lage, seinem Anspruch gerecht zu werden. “What ist Yoga”? ruft er – “Shit together” – rufen die Anhänger. Und er setzt seinen Stunden seinen Grundsatz hinzu “no pain – no gain”, während er die Biegsamsten der Schüler in immer noch tiefere Posten hineindrückt oder gar auf ihnen für Photos posiert.

Kritiker des Bikram Yoga warnen vor den Gefahren des immensen Salz- und Wasserverlustes während des Übens, dessen Folgen von Muskelkrämpfen bis hin zu Organversagen reichen können und eine enorme Belastung für den Körper darstellen. Dabei wurde noch nicht einmal auf die Yogaposen an sich eingegangen, die schon eine enorme Körperbeherrschung und Flexibilität von den Yogaschülern verlangen. Den Schmerz in Haltungen, für die der Körper nicht vorbereitet ist, zu ignorieren kann dann aber ja vielleicht auch helfen, in den späteren Schmerz eines eventuellen Bandscheibenschadens hineinzuatmen… erfahrenen Yogaschülern und körperlich gesunden und fitten Menschen, die sich selbst gerne an oder über ihre eigenen Grenzen hinausbringen kann dieser vollkommen fittnessorientierte Stil, der die philosophischen Grundlagen des Yoga absolut auszuklammern scheint, jedoch ein willkommenes und abwechslungsreiches Training bieten.

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