Yoga Meister
Der Meisteryogin erringt nicht nur die bloße Fähigkeit, tiefer in Dinge und Menschen zu blicken, wie das der Weise kann, sondern er ist in seiner Meditation oft in das Herz der Dinge hinabgestiegen, er ist zu Hause in den Höllen und Himmeln der Welt und spürt den Puls des Kosmos als seinen eigenen. In den höchsten Zuständen des Bewusstseins atmet er den Atem des Seins als seinen eigenen. Daher ist er zum rechtmäßigen Sprachrohr und zur wirkenden Kraft einer tiefsten Wahrheit geworden.” (Jyotishman Dam)
In Indien lebt alles im Einklang: Religiöse Traditionen stehen neben den rein philosophischen Schulen des Yoga. Doch lässt sich kein umfassendes Bild gestalten, wenn man sich nur einen winzigen Teil des Ganzen ansieht. Auch, wenn Yoga keine Religion ist, so finden sich in diesem Abschnitt über Meister und Persönlichkeiten Hinweise auf die philosophischen Richtungen und Texte, sowie die Interpretationen und das Leben von Yogis und Yoginis, als auch die Erläuterung zu der ein- oder anderen Gottheit oder religiösen Linie des alten Indiens. Denn auf der Suche nach einem stillen Geist, wandten sich die Suchenden und späteren Meister oft verschiedenen – auch religiösen Schulen – zu, bis sie dann irgendwann ihren eigenen Weg fanden.
Die Verbreitung indischen Gedankenguts in der westlichen Welt verdanken wir auch den Glaubensführern, spirituellen Heiligen Indiens, die Avatar, Gurus oder Meister genannt werden und deren Glauben zu Beginn durch westliche Philosophen wie Schopenhauer, später an Universitäten Einzug und Verbreitung im Westen fand. Ihre Schüler und die Schüler ihrer Schüler und die Schüler ihrer Schüler ihrer Schüler nahmen die Lehren mit und geben sie noch heute weiter.
Und auch im Westen gibt es langsam erste Annäherungen an die in Indien selbstverständliche Spiritualität – immer dann, wenn die positiven Wirkungen der Meditation, die nun mehr und mehr auch wissenschaftlich belegt sind, mit dem Zusatz versehen werden, dass es zwar keiner Spiritualität bedarf, um zu meditieren oder um die positiven Heilkräfte der Meditationspraxis zu erleben, doch dass Untersuchungen von Psychologen durchaus ergeben würden, dass mindestens beim Therapeutischen Einsatz der Meditation der Erfolg einer Therapie bei Menschen, die an etwas Höheres glauben, größer zu sein scheint, als bei solchen, denen diese spirituelle Grundlage fehlt. “Wenn Meditation gut ist, macht sie der Glaube an Gott noch besser”, schreibt das Wissenschaftsmagazin New Scientist dazu.