1.Stufe: Yama

Der Mensch ist immer Teil einer Gesellschaft. Keiner lebt alleine für sich, unabhängig von anderen. Wir alle sind aufeinander angewiesen. Ohne den Bäcker hätten wir heute kein Brot mehr, ohne den Bauern würden die Zutaten fehlen, die Supermärkte blieben leer, in denen wir unsere Lebensmittel kauften, ohne die Verkäuferin würde der Laden nicht öffnen, die Regale würden sich nicht füllen und wir würden hungern, ohne den Schaffner kämen wir nicht zur Arbeit, ohne Arbeitskollegen und Vorgesetzte hätten wir keine Möglichkeit uns weiterzuentwickeln, neue Lösungen zu entdecken, ohne Freunde und Familie würden wir vereinsamen… das ließe sich endlos fortsetzen. Innerhalb einer Gesellschaft ist es quasi unmöglich nicht zu sehen, dass wir alle aufeinander angewiesen sind. Im Besten Fall funktioniert das Zusammenleben wie ein Zahnrad, das ineinandergreift und das uns zu einer funktionierenden sozialen Einheit werden lässt.

Und grob gesprochen geht es darum im ersten Teil des 8 stufigen Pfades. Denn, die erste Stufe des achtgliedrigen Yogapfades, Yama, beinhaltet fünf Verhaltensregeln im Umgang mit anderen.

Yoga zielt nämlich nicht nur auf ein friedliches Inneres ab, sondern auch darauf, in Frieden mit den Menschen um uns herum zu leben. Diese ethischen und moralischen Regeln „der Sittlichkeit“ sollen, wenn sie befolgt werden, Auswüchse wie Chaos, Gewalt, Unwahrheit oder Diebstahl vermeiden und damit auch dem daraus erwachsenden Leid vorbeugend entgegenwirken. Das Yogasutra sagt, dass wir nicht friedlich üben können, solange wir in schlechten Beziehungen zu den Menschen um uns herum stehen und in unglücklichen Verhältnissen leben.  Und wenn wir uns wirklich vor Augen führen, wie abhängig jeder von uns von allen anderen ist, dann gibt es keinen Grund, warum nicht jeder von uns ein wirklich friedliches Miteinander anstreben sollte.

Das Yogasutra gibt uns hierzu fünf Verhaltensrichtlinien an die Hand: Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Nicht-Stehlen, Enthaltsamkeit und Begierdelosigkeit.

Die fünf Verhaltensregeln des Yama lauten:

  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit
  • Satya: Wahrheit/ Wahrhaftigkeit
  • Asteya: Nicht-Stehlen
  • Brahmacharya: Enthaltsamkeit/ Enthaltung von Sinnlichkeit
  • Aparigraha: Begierdelosigkeit/ Enthaltung von Besitzstreben

 

Ahimsa: Gewaltlosigkeit

Satya: Wahrheit/ Wahrhaftigkeit Rücksichtsvoll (Gewaltlos) mit den Menschen umzugehen und Ihnen ehrlich gegenübertreten. Das sind die höchsten Gebote, an die sich ein Yogi halten sollte. Wer den Mut hat, stets die Wahrheit zu sprechen, aber dabei andere nicht zu verletzen, dessen Taten und Worte werden in Erfüllung gehen. (Patanjali)

Asteya: Nicht-Stehlen„Wer unter keinen Umständen das begeht, was einem anderen gehört, ob es Werte materieller oder anderer Art sind, dem werden große Reichtümer zuteil.“(Patanjali)

Brahmacharya: Enthaltsamkeit – Im Bewusstsein des Höchsten weilen„Wenn unsere Emotionen im Bewusstsein des Göttlichen verwurzelt sind, werden sie nicht der Wucht der Klesas unterliegen. Dann können sie uns große Energie geben.“ (Patanjali)

Aparigraha: Begierdelosigkeit „Wer es völlig meidet, Materie zu horten,wird seine Herkunft nicht vergessen und seine Lebensaufgabe nicht aus den Augen verlieren“ (Patanjali)

 

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