Vorbeugen

Vorbeugen sind Positionen im Stehen oder Sitzen, bei denen sich Oberkörper und Unterkörper aneinander annähern, sprich, bei denen sich meist der Oberkörper nach vorne neigt. Vorbeugen sind vom Typ her eher introvertierte Haltungen, die dazu beitragen können, sich von den Äußerlichkeiten des Lebens zurückzuziehen. Nicht zuletzt, weil oft das Blickfeld eingeschränkt wird und es schwerer wird nach links und rechts die Nachbarn zu beobachten tragen Vorbeugen wirklich dazu bei, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Nicht selten treten dabei dann innere Seinszustände zu Tage, die die Yogapraxis beeinflussen können. So sind Vorbeugen Haltungen, bei denen man oft in Konflikt mit den eigenen Ansprüchen und  dem eigenen Ehrgeiz kommt. Zu lernen, dass dies in der Yogapraxis nichts zu suchen hat fällt den meisten Menschen schwer, sind wir doch alle auf „Leistung“ programmiert worden. Hinzunehmen, dass körperliche Einschränkungen, die tagesabhängige Form oder schlicht und einfach Beweglich- oder Unbeweglichkeiten unserer Muskeln, Sehnen und Bänder uns daran hindern können ein vermeintliches Ziel zu erreichen ist nicht leicht. Zu erkennen, dass gar kein Ziel existiert, sondern dass man dort, wo man heute ist genau richtig ist, dass ist wahrlich Yoga. Bezogen auf Vorbeugen bedeutet dies zb, dass es vollkommen unnötig ist mit Händen oder Nase bis zu den Füßen oder Knien zu gelangen. Eine Vorbeuge, bei der sich Dein Körper vielleicht nur Millimeter nach vorne neigt kann heute das sein, was Yoga ist. Von den Wirkungen, die eine Haltung mit sich bringt profitierst Du unabhängig davon, wie nah Du Deinem inneren Ideal bzw Deiner Vorstellung von einer perfekten Haltung kommst. Das ist die größte Lehre, die Vorbeugen mit sich bringen – dort, wo Du heute stehst, dort übst Du heute – und dort bist Du genau richtig. Und das vollkommen unabhängig davon, ob sich dein Nachbar neben Dir vielleicht zusammenklappt wie ein Liegestuhl  – oder Du einige Tage zuvor nin Deinen Augen noch viel mehr zu leisten vermochtest– Du bleibst bei dir selbst und mutest Deinem Körper des falschen Ehrgeizes wegen nichts zu, wozu er heute einfach nicht bereit ist.

 

Zu den bekanntesten Vorbeugen zählt die Vorbeuge m Stehen, Uttanasana und die Vorbeuge im Sitzen, Pashimottanasana.

 

Die Besonderheit bei Vorbeugen ist, dass es unterschiedliche Ansätze gibt sie zu üben. In einigen Yogastilen geht es hauptsächlich darum besonders tief in eine Vorbeuge einzutauchen und damit auch möglichst weit nach vorne zu kommen. Sich der Vorbeuge hinzugeben und vollkommen loszulassen, was besonders auf mentaler und spiritueller Ebene eine sehr reizvolle und tiefe Erfahrung sein kann. Bei Rücken- und Bandscheibenproblemen gilt es hierbei jedoch äußerst vorsichtig zu sein und die Übungspraxis eventuell mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.  Die zweite Art eine Vorbeuge einzunehmen geht weniger in die mentale Tiefe und arbeitet im Gegensatz zur ersten Variante mit geradem Rücken und langgezogener statt runder Wirbelsäule. Dies offenbart zwar schneller die eigenen körperlichen Grenzen, ist jedoch langfristig schonender und wirkt nicht dehnend dafür aber muskelstärkend auf die rumpfaufrichtende Muskulatur. Jede Art des Übens hat seine Berechtigung und richtig kombiniert profitiert man von beiden Arten. Wichtig ist ein erfahrener Lehrer oder ausreichendes Körperbewusstsein und die Willensstärke seine eigenen Grenzen auch zu achten und sie nicht der Leistung wegen zu überschreiten.

Leave a Comment

*